Kollektiv

Mit etwas Glück sind unsre Kinder mutiger als wir.

In etwa 40 Jahren stehn sie dann vor mir.

Ist es wahr, dass ihr nichts wusstet von dieser Ungehörigkeit,

von dem Unrecht, das geschah vor nicht all zu langer Zeit?

Habt ihr die Erde aufgefressen auf der Jagd nach noch mehr Geld?

Habt ihr andere schuften lassen in eurer dritten Welt?

Habt ihr wirklich nicht gewusst, wie das Getriebe lief?

Habt ihr wirklich nie gefragt, nach der Schuld des Kollektivs?

 

Ja, ich hab's gewusst und ich war immer dagegen.

Ich hab trotzdem nichts gemacht, denn so lief das damals eben.

Schöne linke Welt, in der wir uns so gut gefallen

alles blöde Heuchler und ich der Größte von uns allen.

 

Vielleicht wird von denen, die da einst kommen die Frage endlich ernst genommen,

die wir tief in uns vergraben und zu stellen niemals wagen:

Was ist der Preis für unser Glück? Fällt alles mal auf uns zurück?

Wann fliegt der erste Pflasterstein in unser schönes Eigenheim?

Wie lange können wir dauern hinter unseren hohen Mauern?

Wie lange können wir träumen hinter unseren hohen Zäunen?

Wann werden sie verschwinden, die Geister die ich rief?

Ich bin's doch nicht gewesen. Es war das Kollektiv.